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Manchmal passiert es aprupt. Du machst noch Scherzchen, wählst entsprechende Geschichten aus, und dann … dann streift dich doch die Sense des Schnitters - und du bist froh, wenn du deinem Schutzengel begegnest. |
Mein
Schutzengel
Manchmal ist das Angenehme
bei der Wiederherstellung der
Gesundheit nicht zu vermeiden.
Robert Sheckley |
Hab' ich ihnen schon von Kerstin erzählt ?
Ich nenne sie natürlich nur in meinen Gedanken beim Vornamen,
wenn ich sie ansprach benutzte ich natürlich ihren Nachnamen, wie es
sich geziemt.
Sicher hätte ich sie gerne unter anderen Umständen
kennengelernt als unter den Gegebenen, aber seien wir ehrlich, dann
wäre es wohl kaum dazu gekommen. Ich bin ziemlich am Ende meines Weges,
und Kerstin ist gerade der Jugendlichkeit entflogen.
Kerstin war meine Bewegungs-Therapeutin. Sie lehrte mich wieder das
laufen, das Treppen steigen und vollführte
Bewegungsübungen mit mir. Mit einer freundlichen Strenge korrigierte
sie meine Haltung, und das wichtigste, sie stachelte meinen Ehrgeiz an.
Es begann am Freitag, den 13. im Oktober 2006.
Ich stellte mich auf einen Tag wie jeden
anderen ein.
3 Tage zuvor noch, am 10., hatte ich
meinen Geburtstag gefeiert, und das gelungene Fest klang immer noch
etwas in mir nach.
Ab kommenden Montag
jedoch waren die Herbstferien zu Ende und es war wieder stärkerer
Arbeitsanfall zu erwarten. Ich sollte mich also schon mal mit den
Vorbereitungen befassen, sagte ich mir.
Wie jeden Morgen piepste der Wecker um
halb 6, schließlich mußte ich erst mal mit Rex gassi gehen.
Ich reckte und dehnte mich, bewegte Arme und Beine um das kribbeln los
zu werden, daß sich immer mal einstellte,
wenn ich bischen falsch gelegen hatte. Gemeinhin halfen einige
gymnastische Bewegungen um einen abgestremmten Arm oder sonst durch das
Liegen hervorgerufene Beeinträchtigungen wieder in Ordnung zu
bringen. Aber heute hielt sich das unangenehme Gefühl
hartnäckig. Ich kam nicht in Schwung. Auch war mir immer noch
etwas schwindlig und benommen.
Ich hab' doch gestern garnichts getrunken, dachte ich verwundert
bei mir. Also erst noch mal in den Sessel, etwas Zeit war ja noch.
Als ich das nächste mal auf die Uhr
schaute war es fast Acht
– na, jetzt aber los.
Aber es ging schlechter wie vorher. Der
Arm kribbelte immer noch und mir war jetzt richtig benommen und
schwindlig.
Jetzt hat's mich erwischt ! dachte ich
mir.
Die Symthome kannte ich schon, denn
Vorboten hatte ich schon in
verschiedener Intensität mitgemacht, und die Warnungen des
Arztes wegen Bluthochdruck und der Gefahr eines Schlaganfalles klangen
mir noch im
Ohr. Aber in der letzten Zeit hatte ich das mit meinen Pillen etwas
verschludert.
Jutta anrufen! schoß es mir durch den Kopf.
Jutta ist meine Ex. Und obwohl, - oder
gerade weil wir uns getrennt haben, verstehen wir uns wieder recht gut.
Wenn ich etwas suche, wenn mir ein Beleg fehlt, wenn ich
Berechnungsarten oder sonst was geschäftliches wissen will, -
Jutta hilft.
Ich tastete mich zum Telefon und rief
sie an. Sie war schon auf der Arbeit,
aber ich erwischte sie gleich an der Durchwahl.
„Mir geht's nich' gut, ich glaub' ich brauch mal deine Hilfe,
“ sprach ich schleppend ins Telefon,
dann legte ich wieder auf.
Kaum 10 Minuten und ich hörte die Tür.
Zwei Sanitäter kamen auf mich zu. Ich wollte gerade fragen: „Was wollen
Sie denn hier ?“
da kam Jutta durch den 2. Eingang.
Plötzlich
hatte ich nichts mehr zu melden: „So, jetzt halt mal ruh' und
laß die
mal machen; - ja ich guck danach; - ja, ja, mach dir keinen
Kopf.“
Ich merkte noch, wie die Sanis mich auf
der Trage festschnallten und in den Sanitätswagen verfrachteten, dann
weis ich erst mal nichts mehr. -
Irgendwann nahm ich noch 2 Männer in
Fliegerkombis war: „
… keine Angst zu haben …“ „ … ne, ne.“ Ich hörte noch
Hubschraubergedonner. ……
Ich lag im Bett und hatte Besuch. -
Und dann hatte ich wieder Besuch. -
Dann war Jani und Micha da, und die
setzten mich in einen Rollstuhl und luden mich zum Kaffe ein. Das war
in der Mainzer Uniklinik. Sie hatten nachgefragt, ob es etwas ausmachen
würde, wenn ich mal in andere Umgebung käme, als nur
im Krankenzimmer dahin zu dämmern.
„
Ja, ja, nehmen sie ihn nur mal mit, das tut ihm sicher gut.“
Micha machte auf dem Weg zur Cafeteria
Faxen mit
dem Rollstuhl und wir alberten rum. Ich wollte Jani in der Cafeteria
etwas erzählen, aber ich hatte die Worte nicht zur Hand. Etwas
frustriert starrte ich zur Raumdecke empor. -
Danach verspürte ich ein hoppeln und rennen. „Micha, machst du wieder
dummes Zeug“,
wollte ich sagen, aber ich weis nicht ob es dazu kam. -
Das nächste war wieder ein Sanitäter der irgend was wie
„ … geht’s wieder ?“
zu mir sagte. Ich war wohl
weggetreten und habe mich in meinen Frust
zurückgezogen.
Micha und Jani gerieten da nätürlich in helle
Aufregung, als ich nicht mehr reagierte.
14 Tage, wie man mir später erzählte, dämmerte
ich in der Uni-Klinik herum. Daran habe ich jedoch nur fragmentarische
Erinnerung .
Ich vermut, ich schluckte brav meine Pillen, die mir morgens
gereicht wurden, und
Abends erhielt ich eine Schlaftablette, aber ich hatte nicht das
Gefühl, daß sie mir Ruhe
brachte. Statt dessen verstärkten sich meine
Alpträume. Tage und Träume vermischten sich :
Recht genau weiß ich, daß ich in einigen Nächten
in einem gelben Zimmer mich
befand. Es war 6eckig, und von außerhalb hörte ich
lautes Sprechen
hereinschallen. Ich mußte also in einem Pavillion im Park
liegen. Seltsamer
Weise konnte ich den Pavillion oder das Gebäude mit den
sechseckigen
Zimmern nie wieder finden. -
Später
hieß es ich würde nach Wiesbaden verlegt, in die
Reha-Klinik.
Die
Ankunft in Wiesbaden, und die nächsten paar Tage dort waren
auch noch
geprägt durch ein verfälschtes Wahrnehmungsbild. Dann
erst, als ich
äußerte, ich vertrüge die Schlaftabletten
nicht und wolle abends keine
oder zur Not naturbelassene Mittel wie Baldrian benutzen, gegen Ende
der ersten Woche, gelang es mir festzustellen, wo ich nun gelandet war.
Eigentlich nicht übel, dachte ich bei
mir.
Es begannen die Therapien.
Gymnastisches Programm, motorische und
feinmotorische Übungen, Trainieren
von Gedächtnis und Wahrnehmung, Wortfindung und Sprachtherapie,
kurz ein allumfassendes Programm.
Daß irgend etwas nicht stimmte hatte ich
ja schon in der Uniklinik gemerkt:
Das Reichen der Bettpfanne und der Urinflaschen nahm ich als
Krankenhausritual hin, obwohl ich mich damit nie anfreunden konnte. Der
Ernst der Situation offenbarte sich mir erst, als ich eines Nachts auf
Toilette wollte, ohne eine Krankenschwester zu bemühen. Ich
schwang die
Beine über die Bettkante, wollte aufstehen - und krachte ins
Infusionsgestänge. Hilflos und etwas verwundert lag ich am
Boden.
„ … können nicht allein aufstehen!“
hörte ich jemand mahnend sagen. Ich
erkannte erst nach und nach, daß meine rechte Seite
völlig ohne Gefühl
war.
Die ersten Tage in Wiesbaden mußte ich
eine Reihe von Tests
über mich ergehen lassen. Hauptsächlich Tests um meine
Gefühlssensibilität zu prüfen. So erinnere ich mich an einmal, da
piexte eine Therapeutin auf meiner Hand und dem Arm herum. Ich durfte
nicht hinsehen und sollte
sagen wieviel Stiche ich bemerke. Ich antwortete ihr, daß ich
nichts spüre. Da forderte sie mich auf, auf meinen Arm zu schauen,
der „Stich“
hatte eine beträchtliche Delle hinterlassen. Ich habe nichts
davon registriert.
Als ich gehen üben sollte, war das nur
eine frustrierende
Quälerei. Da ich mein rechtes Bein nicht spürte, konnte ich mich auch
nicht auf
ihm abstützen. Ich war brummig, und als die Therapeutin mich
mutmachend wegen dreier Schritte, die ich an der Wand entlang hangelte,
loben
wollte, knurrte ich, wohl recht genervt: „Das war nicht gut !
Das war garnix !“
Später erst, ich hatte ihre irritierte
Reaktion bemerkt, stellte ich klar,
daß ich nicht über ihre Therapiefähigkeit sondern
über meine nicht vorhandenen Erfolge gemault habe.
Es war nach etwa 1½ Wochen, da merkte
ich eines Nachts, daß etwas anders war. Mir war, als würde in mir ein
Schalter umgelegt. In irgend einer Art registrierte ich ein anderes
Bewußtsein. Meine Erinnerungen wurden klarer und konkreter.
So fiel mir ein, daß ich dringend Micha, der kurz nach mir Geburtstag
hatte, ja noch unbedingt gratulieren mußte. Ich machte das am
nächsten Tag telefonisch und erfuhr: Ich hatte ihm schon gratuliert.
Daran hatte ich keine Erinnerung. Auch sonst tauchten allerlei
Begebenheiten auf, auf
die ich zwar reagiert hatte, ich aber auf die Erinnerung daran vorher
keinen Zugriff hatte.
Gleichzeitig
spürte ich plötzlich das Ende meines rechten
Fußes.
Die nächste Laufübung war denn auch von
mehr Erfolg gekrönt, als die vorherigen Therapiestunden, denn
ich konnte unter meinem rechten Fuß den Fußboden
spühren, wenn ich auch das Gefühl hatte, ein riesiger Klumpen klebe
darunter. Obwohl ich anschließend schweißgebadet war, ich
schaffte mit Hilfe der Therapeutin die ganze Länge des Flures.
Ich durfte meinen Arm über ihre Schultern legen,
wir liefen über den Flur wie ein Liebespaar, und mit einem
kunstvollen Griff verschaffte sie mir weitere Stabilität. Dieser Erfolg
sorgte bei mir für Hochstimmung. Als
wir es auf diese Art bis in mein Zimmer schafften, mußte ich,
zwar erschöpft aber, zufrieden lachen. Die Therapeutin blieb noch
ein wenig bei mir sitzen, und ich konnte mich zum ersten mal entspannt
mit ihr
unterhalten.
Seitdem ging es in allen
Therapiebereichen bergauf.
Von einer Nachbarin aus Alzey bekam ich
einen kleinen Schutzengel geschenkt. Er hockt seitdem, - auch jetzt
noch, - auf meinem Nachttisch. Mit diesem kleinen Schutzengel
identifizierte ich ab jetzt Kerstin, wie ich meine Therapeutin von nun
an bei mir im Geiste nannte. Ihren Vornamen hatte ich auf ihrem
Namensschild gelesen, daß sie trug. Mit ihrem unermüdlichem Bemühen,
oft über manche Übellaunigkeit meinerseits
hinweg, gelang es ihr, mir meine Mobilität, zuerst in kleinen
Schritten, dann
immer erfolgreicher, zurückzugeben.
Sicher
gab es auch einige kleine Fehlschläge, weil ich ohne Genehmigung des
Pflegepersonals die eine oder andere Selbständigkeit erprobte.
„Sie sollen sich doch nicht allein vom
Rollstuhl ins Bett setzen !“ mahnte die Krankenschwester, als
sie mich aufsammeln mußte.
„Sie wollten es wohl mal wieder wissen
!“ grinste der Pfleger, als
er mich neben dem Lokus aufhob, wo ich das Gleichgewicht verloren
hatte, als
ich die Hose hochzog.
Natürlich mußten die Pfleger und
Schwestern mich ermahnen, denn ich
sollte mir ja nicht die Ohren brechen. Sie blieben aber alle ganz
freundlich, und
wenn ich etwas probierte, das noch nicht offiziell freigegeben war,
schauten sie oft diskret zur Seite. Und meistens klappte es ja auch,
von einem Stuhl zum anderen, oder aus dem Rollstuhl auf die Toilette.
Alle Handlungen des täglichen Lebens
mußten von einer Therapeutin abgesegnet werden, wenn ich sie
nun wieder selbstständig ausführen wollte.
So mußte ich beweisen, daß ich mit
meinem
Rollstuhl nach dem Aufstehen selbstständig im Bad die Funktion
von Zahnbürste, Waschlappen und Rasierer, erst elektrisch,
später naß, meisterte. Und eines morgens stand die Ergo-Therapeutin,
sie war
zuständig dafür, daß ich die Allfälligkeiten des normalen Lebens wieder
einübte, früh um 7.00 Uhr im Zimmer.
„Was liegt denn heute so früh schon an
?“
fragte ich und griff meinen Therapieplan vom Nachttisch, um nach zu
schauen. „Ah, ja ! - Sie wollen mit mir zusammen
duschen.“
„Ich will sie beim Duschen
beaufsichtigen.“ korrigierte sie mich schmunzelnd.
„Mein ich ja,“ erwiederte ich. „Ich soll
für sie Schauduschen.“
Ich rollte also ins Bad, hängte das
Duschgel erreichbar an den
Brausehaken, stieg auf den dort stehenden Hocker um, Rollstuhl
wegschieben, schauen,
daß das Handtuch erreichbar drauf lag, Vorhang zu und los ging's.
Als ich ausreichend geduscht hatte,
Vorhang wieder auf, das Handtuch angeln und abtrocknen.. Mit dem Fuß,
dem linken, den Rollstuhl beiziehen. Die Unterwäsche hatte ich
auch auf dem -stuhl plaziert und konnte sie nun überstreifen.
Aufstehen, ich konnte mich an den Griffen in der Duschkabine
festhalten, viertel
Drehung nach rechts und ich saß wieder sicher in meinem Gefährt.
Das rauskommen aus dem Waschraum
erforderte etwas Rangierarbeit, aber es ging schon.
Kontrolle bestanden.
Mittlerweile war ich recht fit in der
Handhabung des Rollstuhls. Wenn ich durch die Gänge spazieren
fuhr, oder mich vor's Portal zum frische Luft schnappen begab, oder ich
„ging“ mal Nachmittrags ins Café im
Erdgeschuß, ich konnte mit dem Stuhl ein ganz schönes Tempo vorlegen.
Auch die anderen Therapien machten mir
nun Spaß, denn ich merkte, daß etwas dabei heraus kam. So freute ich
mich, daß mein Werkstück beim Körbchen
flechten, in der Mal- und Bastelgruppe, ganz ordentlich gelang.
In der Frühstücksgruppe, an der ich seit
einiger Zeit teilnehmen durfte, um wieder Geschick im Umgang mit Messer
und Gabel zu erlangen, stach ich mir auch nicht die Augen aus, und
erwarb wieder die Fähigkeit Brötchen zu schmieren.
Beim Training mit Kerstin gab ich
mir besonders Mühe. Ich wollte, daß sie Stolz auf meine
Fortschritte war.
„Gehen sie gerade, sie sind ein großer
Mann ! Merken sie wie ihre Schulter hängt ?“
Unermüdlich stützte sie mich, und mahnte meine Haltung an. Als ich zu
ängstlich und
zusammengesunken mich die Treppe herrunter hangelte kniff sie mich
beherzt in den Hintern. Sofort stand ich kerzengerade: „Nicht
gebückt die Treppe gehen, das geht auch aufgerichtet !“ Und ich gab
mir alle Mühe.
Ich fing an, sie sehr nett zu finden.
Wir konnten gut mit einander
erzählen und das führte dazu, daß ich ihr völlig vertraute. Ich glaubte
der Aussage: "Haben sie Geduld, das stellt sich alles wieder ein," denn
obwohl man mir versicherte ich mache gute Fortschritte, war ich doch
oft ungeduldig und hatte meine Zweifel gehabt, ob das nicht doch nur
meiner Beruhigung diente.
Irgend wann dann hatte ich den Einfall,
über meine Rekonvaleszenz einen Erlebnissbericht zu verfassen.
Ich begann neuen Mut zu fassen. Mein Interesse auch anderen Dingen
gegenüber war wieder
zurück gekehrt.
Jutta und hauptsächlich Jan Tilo hatten
dafür gesorgt, d
aß mein handwerklicher Betrieb ordentlich und sauber abtreten konnte,
und die Kunden von einem anderen kompetenten Kollegen
betreut wurden. Ich selbst, das hatte ich schon eingesehen, konnte
meinen diffizilen Beruf, der ein hohes Maß an manuellem
Geschick erfordert, nicht mehr ausüben, und mit Körbchen
flechten ist, fürchte ich, kein Geld zu verdienen. Aber das hat ja
B.Traven in seiner Geschichte „Der
Großindustrielle“ schon eindrucksvoll dargestellt.
Irgendwann dufte ich hinter einem Rolli
hinterher gehen, - dann mußte ich hinter dem Rolli hinterher
gehen, denn sie nahmen mir den Rollstuhl weg. Eigentlich schade, denn
ab jetzt
war ich wieder langsamer unterwegs. Das Fortbewegen auf zwei
Füßen ist doch beschwerlicher, stellte ich fest, - zumindest jetzt
noch. Und der Vorteil, daß ich jetzt wieder, wenn auch vorsichtig, die
Treppen rauf und runter kam, relativierte sich da, wo ein Aufzug
vorhanden war.
(Schmunzel)
An einem Morgen, die Frühstücksgruppe
war zu Ende, fragte unsere
Frühstücksaufsicht: „Wo haben sie denn ihren Rolli hingestellt ?“ Sie
wollte ihn mir beiziehen als ich vom Frühstückstisch
aufstand.
„Hab ich im Zimmer gelassen. Geht auch so.“ Ich wünschte „Schönen Tag
noch.“ und ging aus dem Frühstücksraum.
Hoffentlich merkten die nicht, daß ich noch ganz schön wackelte.
Eigentlich rechnete ich mit paar Wochen
Verlängerung, um meine Fortschritte zu festigen, doch die
hübsche Dame des Sozialdienstes eröffnete mir, daß ich aus
versicherungstechnischen Gründen in dieser Klinik nicht mehr bleiben
durfte.
Etwas traurig war ich im ersten Moment
schon, daß ich weg sollte. Es hatten sich doch manch vertrauensvolle
Sympathien entwickelt. Die Therapeuten versicherten mir aber
beruhigend, daß die
Reha-Klinik in Bad Camberg einen guten Ruf habe, und die Art der Kinik
eher einem
Hotel als einem Krankenhaus ähnlich sei.
Also verabschiedete ich mich, nahm die
beste Wünsche aller für die Zukunft entgegen.
Bad Camberg ist nun auch schon vorüber.
Sie ließen mich 8 Wochen dort.
Diese Reha-Klinik ist tatsächlich ganz
anders aufgebaut als die in Wiesbaden. Wohl sind da die Therapiegruppen
fast gleich, doch die Anforderungen, vornehmlich die sportlichen, sind
um einiges anspuchsvoller. Und auch das stimmt: diese Klinik wirkt
weniger wie ein Krankenhaus, sie vermittelt das Gefühl in
einem Hotel zu sein, wäre da nicht auf jedem Stockwerk ein
Schwesternzimmer.
Untergebracht waren wir in Einzelzimmern
mit Dusche und Toilette. Auf die Einhaltung unserer
Therapiepläne mußten wir selbst achten, zum Blutdruck messen
mußten wir uns zu bestimmten Zeiten in's Schwesternzimmer bemühen, nur
unsere Medikamente bekamen wir täglich im Laufe des
Vormittags in
unsere Zimmer gelegt.
Man brachte uns wieder eigenes Denken
und Handeln bei.
Die Mahlzeiten nahmen wir gemeinsam im
Speiserestaurant ein.
Am Anfang tat ich mich schwer mit dieser
Selbstständigkeit. Zum Laufen besorgte ich mir einen Stock als Stütze,
weil ich doch noch arg wackelte und im Speiseraum schmiß ich
anfangs zwei mal meine Stullen am Büffet auf den Boden, weil ich die
Kontrolle über meine rechte Hand noch nicht im Griff hatte. Aber die
Anderen hatten auch mehr oder weniger ihre Malessen, und so wurde
keiner
ausgegrinst und wir halfen uns gegenseitig so gut es ging. Es ergab
sich daraus ein ausgiebiger Kontakt zu den anderen Patienten, - oder
waren wir schon Gäste ?- und manche Freundschaft oder zarte
Bande konnte entstehen.
Doch das ist eine andere Geschichte.
Hier möchte ich nur sagen:
„Danke Kerstin. Und danke den anderen
Therapeuten.“
Natürlich auch denen in Bad Camberg.
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